Der Trinker

  • Info:

    "Der Trinker"
    Produced by Sigrid Siewior

    Schauspieler: Jörg M. Germann

    Akzent Theater
    Rheinstr. 60

    65185 Wiesbaden

Stück nach Hans Fallada
Erwin Sommer: Jörg Michael Germann
 
 
Regie: Sigrid Siewior
Bühnenbild: Sigrid Siewior

 


Der Trinker
 
Das Akzent Theater, das Platz für 40 Zuschauer bietet, ist fliederfarben angestrichen, die Farbe wirkt omnipräsent. Bevor das Stück beginnt, hat man Zweifel, ob „Der Trinker“ an diesem Ort authentisch aufgeführt werden kann, das Fliederfarbene lässt einen die Augenbrauen hochziehen. Doch von der ersten Minute an blendet man die Allgegenwärtigkeit der Farbe aus, so sehr überzeugt Jörg-Michael Germann (spielt Erwin Sommer).

Germann spielt den Trinker den ganzen Abend über so überzeugend, dass man sich manchmal bei dem Gedanken erwischt, ob er selbst nicht auch ein Alkoholproblem hat. Das Blut gefriert in den Adern, wenn er mit weit aufgerissenen Augen ins Publikum blickt. Seine Zunge scheint sehr locker zu sein, das Lallen wirkt echt. Gelegentlich imitiert er seine Frau – sofort ist die Stimme höher, seine Person scheint eine ganz andere zu sein. Das hebt sich ab vom bisherigen Schauspiel und imponiert. Als er sich nach der Aufführung verbeugt und sich beim Publikum bedankt, wirkt er wie ausgewechselt, vom Trinker merkt man nichts mehr.

 

Während in Falladas Buch das Gefühl des Alleingelassenen und die allein bestrittenen Reisen im Vordergrund stehen, spielen die Begegnungen mit Menschen in der Textfassung von Bernd Ludwig eine größere Rolle. Was verwunderlich klingt, wenn man bedenkt, dass es nur einen Schauspieler gibt. Vor der Pause kommt das Stück mit Monologen aus, danach wird eine Schaufensterpuppe hinzugezogen, an der sich Erwin Sommer auslebt. Man langweilt sich dabei keine Sekunde. Abwechselnde Belichtung und stetiges Auf- und Abgehen des Trinkers lassen dies gar nicht zu, so gut ist es gemacht.

 

Zu Anfang des Stückes fällt Erwin Sommer aus seinem Bett, erbricht sich und während er sich den Mund abwischt, fühlt man sich mit ihm elend, so gut spielt Germann diese Szene. Man ist stetig fokussiert auf das Geschehen und auf die weitere Handlung gespannt. Einmal redet Erwin Sommer davon, dass er den Rest der Flasche ausschütten mag. Den nächsten Augenblick trinkt er. Sofort wird einem die Hoffnungslosigkeit seiner Krankheit bewusst. Diese Szene rüttelt wach. Im Publikum wird einmal kurz schrill aufgelacht, möglicherweise aus Verlegenheit.

 

Wer von modernem Theater angetan ist und darunter versteht, dass Schauspieler gerne minutenlang auf der Bühne herumrutschen, für den ist das Stück nichts. Wenn auch die Musik modern ist und das Stück mit mancherlei Andeutungen modern gemacht wird – viel Gesprochenes wurde 1:1 aus dem Buch übernommen, Erwin Sommer wendet beim Sprechen tadellos das Präteritum an. Es ist der Zeit angepasst, aber zeitlos. Angenehm modern, aber eben auch nicht zu modern.

Wer sich von Falladas Büchern nicht losreißen kann, sollte das Stück also auf keinen Fall verpassen.

 


Kartenvorverkauf:

Tourist Center - Wiesbaden/Marktplatz 1
Ticketbox - Wiesbaden/Kirchgasse 28
Ticketbox - Mainz/Kleine Langgasse 4

 Im Akzent Theater  ist die Kasse eine Stunde vor jeder Vorstellung geöffnet.

Sie können Tickets hier auf unserer Seite Online bestellen oder telefonisch: 0611/ 97 49 30 55.

 

Автор : btamedia